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Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT, ausgesprochen als ein Wort, wie das englische Verb "act") ist eine Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie, sie fußt auf dem gleichen Grundsatz – nämlich dass psychische Probleme auf ungünstigen oder fehlenden Lernprozessen beruhen. Und sie ist mit allen anderen Methoden der klassischen Verhaltenstherapie kombinierbar. ACT geht allerdings davon aus, dass manchmal erst bestimmte Grundlagen dafür geschaffen werden müssen, dass günstige Lernprozesse in Gang kommen können. Welche Grundlagen das sind und wie ACT-Therapeuten ihre Patienten darin unterstützen, diese zu entwickeln, darauf möchte ich nun etwas näher eingehen.

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie wurde in den letzten zwanzig Jahren in den USA entwickelt. Maßgeblich beteiligt daran waren die Psychologen und Wissenschaftler Steven Hayes, Kelly Wilson und Kirk Strosahl, die im Jahr 1999 das Standardwerk zu diesem neuen Therapieansatz veröffentlichten: Acceptance and Commitment Therapy. An experiential approach to behavior change. Vorausgegangen waren ausgiebige Forschungsarbeiten, bei denen versucht wurde, eine neue, auf der Lerntheorie fußende Vorstellung über die Funktionsweise des menschlichen Verstandes (genannt Relational Frame Theory) auf klinisch-psychologische Fragestellungen zu übertragen. Das Buch löste in den USA und anderen westlichen Ländern ein großes Echo aus. Viele Therapeuten und andere Menschen, die sich für Psychologie und psychische Störungen interessieren, fanden die Ideen sehr überzeugend und begannen, die Methode zur Behandlung unterschiedlicher Probleme und Stlörungen einzusetzen. Mittlerweile arbeiten insbesondere in den USA, Australien, Skandinavien, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden viele Therapeuten nach dem ACT-Modell. Auch im deutschsprachigen Raum regt sich mehr und mehr Interesse an diesem neuen Ansatz.

Im Folgenden möchte ich Ihnen einen knappen Überblick über die wichtigsten Elemente und Zielsetzungen von ACT geben. Die Darstellung ist alles andere als erschöpfend, aber vermittelt hoffentlich eine Idee davon, wie eine Therapie nach dem ACT-Modell aussehen kann.


Unser Verstand kann mit dem gegenwärtigen Augenblick nicht viel anfangen. Viel lieber beschäftigt er sich beispielsweise damit, die Vergangenheit zu analysieren oder die Zukunft vorherzusagen und Pläne zu schmieden. Sind wir aber mit unseren Gedanken ständig woanders, bekommen wir viel zu wenig davon mit, was der gegenwärtige Moment, das Hier und Jetzt uns zu bieten hat. Wir sind unaufmerksam und verpassen viele Gelegenheiten für erfüllendes Erleben und dafür, aus dem, was sich direkt vor unseren Augen und Ohren abspielt, zu lernen.

ACT setzt verschiedene Methoden ein, um uns wieder mit dem in Kontakt zu bringen, was in uns und um uns herum im jetzigen Moment passiert. Unter anderem greift ACT hier auf Techniken zurück, die innerhalb verschiedener religiöser Traditionen entwickelt wurden und beispielsweise unter der Bezeichnung Achtsamkeit („mindfulness“) mittlerweile in mehrere therapeutische und pädagogische Ansätze Eingang gefunden haben.


Oftmals sträuben wir uns dagegen, Dinge zu akzeptieren, die wir nicht ändern können. Viele kennen das „Gelassenheitsgebet“, mit dem wir uns die Gelassenheit wünschen anzunehmen, was wir nicht ändern können, die Kraft, zu ändern, was zu ändern ist, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Dies umzusetzen ist jedoch oftmals alles andere als einfach. 

ACT versucht, den Menschen zu helfen, aktiv anzunehmen, was sie nicht ändern können. An erster Stelle steht da die Tatsache, dass sie menschliche Wesen mit zum Teil schmerzhaften und unangenehmen Gefühlen und Empfindungen sind. Geben wir Kämpfe auf, die wir nicht gewinnen können, werden Energien frei für Dinge, für die es sich einzusetzen lohnt. 


Wer sind wir eigentlich? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und jeder von uns hat viele (Vor-)Urteile über sich selbst, seinen „Charakter“, seine „Persönlichkeit“ im Kopf. Wir neigen dazu, andere, aber auch uns selbst in Schubladen zu stecken. Etiketten, mit denen wir uns selbst versehen – fleißig, schüchtern, unsportlich, schwierig, nett usw. – sind manchmal ein Ruhekissen und manchmal ein Gefängnis. Wir ruhen uns auf ihnen aus – und lassen uns von ihnen daran hindern, Chancen wahrzunehmen und ein gutes Leben nach unseren eigenen Wertvorstellungen zu führen.

ACT versucht, Menschen dabei zu unterstützen, das eigene innere Gefängnis zu erkennen – und daraus auszubrechen. Unter anderem, indem die Frage nach dem eigenen Selbst ganz neu gestellt und beantwortet wird.


Jeder von uns hat ein kleines „Maschinchen“ in seinem Kopf, das ununterbrochen Gedanken produziert. Viele Gedanken sind nützlich und helfen uns dabei, mit unserer Umwelt zurechtzukommen. Aber manchmal sind auch Gedanken darunter, die uns nicht helfen, die absurd sind, einseitig, belanglos, unnütz, irrelevant, übertrieben oder schlichtweg falsch. Würden wir unserer Denkmaschine jeden Gedanken, den sie hervorbringt, vorbehaltlos „abkaufen“ und unser Handeln danach ausrichten – wir kämen in Teufels Küche. Dies hat damit zu tun, dass unser Denken nämlich keineswegs immer so logisch und realistisch  ist, wie wir es gerne hätten, sondern zum einen Resultat der „Programmierung“ durch unsere Lebensumstände ist (zu denen beispielsweise auch wenig wohlwollende Mitmenschen zählen oder die Werbung!), und zum anderen Ergebnis unserer Fähigkeit, alles mit allem in Beziehung zu setzen. Nichts anderes bedeutet es nämlich zu denken.

ACT zeigt uns, wie wir es schaffen können, problematischen Gedanken weniger Macht über uns und unser Verhalten zu geben, nämlich, indem wir uns aus der Verschmelzung („Fusion“) mit ihnen lösen. Hierzu wurden eine Reihe hilfreicher Techniken entwickelt, die wir in der Therapie kennenlernen und üben können. "Den Schuh zieh ich mir nicht an", "Das kauf ich dir nicht ab", "Na und?!" - solche Dinge sagen wir manchmal zu anderen, wenn uns ihre Gedanken, Vorwürfe oder Argumente nicht sinnvoll erscheinen. Durch ACT lernen wir, solche Dinge zu uns selbst, genauer: zu unserem eigenen Verstand zu sagen. "Ich höre, was du sagst, lieber Verstand, aber den Schuh zieh ich mir nicht an. Das kauf ich dir nicht ab. Na und?!"


Was will ich eigentlich, was ist mir wichtig im Leben, worauf kommt es mir an? Dies sind Fragen, mit denen wir uns im Alltag vielleicht viel zu wenig beschäftigen, die aber von zentraler Bedeutung sind. Ziele sind wichtig - wir brauchen Ziele, um uns in Bewegung zu setzen. Aber genauso wichtig sind Werte: Richtungen, die wir im Leben einschlagen können. Ziele können wir erreichen oder verfehlen. Ich kann es mir beispielsweise vornehmen, bis ich 30 bin, einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Vielleicht gelingt es mir, dieses Ziel zu erreichen, vielleicht nicht. Die Werte, die „dahinter“ stehen, - anderen Menschen nahe zu sein, Verantwortung zu übernehmen, ein liebevolles Gegenüber zu sein, selbst geliebt und anerkannt zu werden – kann ich niemals in dem Sinne erreichen, dass ich sie abhaken könnte. Ich kann beispielsweise immer wieder und auf immer wieder andere Weise anderen Menschen nahe sein.

ACT unterstützt Patienten darin, Werte für sich zu formulieren und Antworten auf die Frage zu finden: Wie will ich mein Leben leben? Diese Werte können ihnen dann als Leuchttürme dienen, die ihnen eine Richtung vorgeben - was vor allem in schwierigen Zeiten wichtig ist, wenn die See rau und die Sicht schlecht ist.


Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden oder die seit langem mit einem Problem – beispielsweise mit Depressionen oder mit einer Sucht kämpfen – haben oft resigniert. Sie setzen sich keine Ziele mehr, hören auf, irgendetwas wichtig zu finden, lassen sich nur noch treiben von äußeren Reizen oder inneren Impulsen. Wer aber nichts wichtig findet, wer sich in keiner Hinsicht festlegt, ist wie ein „Fähnchen im Wind“. ACT versucht hier gegenzusteuern, indem die Patienten wieder lernen, Dinge wichtig zu finden und zu sagen: Darauf kommt es mir an. Trotz der Gefahr des Scheiterns, die damit verbunden ist, und die bei denjenigen, die häufig gescheitert sind, Ängste auslöst. ACT hilft, zu lernen, mit solchen Ängsten und anderen inneren Blockaden umzugehen, und wieder Commitments einzugehen. Letztendlich bedeutet dies, die Haltung einzunehmen: Ja, mein Leben ist mir wichtig und ich will versuchen, meine Chancen zu nutzen, um das Beste daraus zu machen.