"Willst du mich heiraten?", wird Benjamin von der schönen Frau gefragt. Er liebt sie. Trotzdem sagt er nein. Erst einmal. Sein Verstand erlaubt ihm nicht, den Heiratsantrag von der Frau, die er liebt und die ihn liebt, anzunehmen. Und er kann eine Menge Gründe nennen, Benjamins Verstand. "Ich bin zu jung," sagt Benjamin. Wenn es nur das wäre! Die Frau, die ihn heiraten möchte, lebt in einem anderen Erdteil als er. Sie ist eine Prostituierte, arm, ungebildet, aus chaotischen Familienverhältnissen. Und sie ist HIV-positiv. Benjamins Verstand produziert Bedenken über Bedenken. Ihr Verstand würde gewiss das Gleiche tun, meiner ebenso. Wie ein junger Mann sich von seinem Verstand nicht verbieten lässt, den Wert dieser besonderen Beziehung zu sehen und zu leben, davon handelt der Film "Same same but different". Und nachzulesen ist diese - wahre - Geschichte in dem Buch "Wohin du auch gehst", in dem Benjamin Prüfer schildert, wie er die Kambodschanerin Sreykeo kennen und lieben gelernt hat. Benjamin hat Sreykeo geheiratet. Sie leben heute in Kambodscha und Deutschland und haben einen gemeinsamen Sohn.
Noch ein Lektüretipp: Die australische Schriftstellerin Helen Garner hat einen Roman mit dem Titel „The spare room“ geschrieben – das freie, ungenutzte Zimmer (auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Das Zimmer“ beim Berlin-Verlag). In einem solchen Zimmer beherbergt die Ich-Erzählerin für drei Wochen eine krebskranke Freundin, die in die Stadt gekommen ist, um sich einer alternativen Behandlung zu unterziehen. Die Ich-Erzählerin hält diese "Therapie" für Humbug und vordergründig geht es in diesem Buch auch um das Geschäft, das windige Heilsversprecher mit der Not schwerkranker Menschen machen. Aber eigentlich ist das große Thema des Buches die Freundschaft – was den Wert einer Freundschaft ausmacht und wie schwer es sein kann, den eigenen Vorstellungen von Freundschaft unter schwierigen Bedingungen treu zu bleiben. Und dass es sich dennoch lohnt, darum zu kämpfen, auch wenn dies keineswegs ständig Glücksgefühle mit sich bringt. Aber wie schreibt die Autorin so treffend? „Vielleicht ist der Glaube an die Pflicht zum Glücklichsein die dümmste Idee, die jemals ein Mensch hatte.“
Inzwischen ist schon einige Zeit vergangen, seit "Das Leben annehmen" erschienen ist, und ich freue mich darüber, dass es offenbar schon recht viele Leser gefunden hat. Ich habe eine Reihe von Zuschriften bekommen, über die ich mich sehr gefreut habe. Danke!
Obwohl mehrere Menschen das Buch in seinen verschiedenen Stadien des Entstehens durchgesehen haben, konnten sich dennoch einige Druckfehler einschleichen, für die ich natürlich selbst die Verantwortung übernehme und für dich ich mich entschuldige.
Gelegentlich werde ich nach der Anschrift von Therapeuten gefragt, die mit ACT vertraut sind und diese Therapieform in ihrer Praxis anwenden. Leider habe ich auch keinen Überblick darüber, welche Therapeuten im deutschsprachigen Raum nach dem ACT-Ansatz arbeiten. Entsprechende Listen, die sicher nicht vollständig sind, finden sich aber auf der ACT-Internetseite von Michael Waadt sowie im Anhang des Buches "Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei" von Russ Harris. Eine internationale Liste mit ACT-Therapeuten enthält die Homepage der Association for Contextual Behavioral Science. Dort finden sich auch einige Therapeuten aus dem deutschsprachigen Raum.
Grundsätzlich nimmt das Interesse an der Akzeptanz- und Commitmenttherapie erfreulicherweise nun auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich zu, was sich unter anderem in einer Steigerung der Angebote von entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen sowie in mehreren angekündigten Buchveröffentlichungen niederschlägt.
Wenn man einmal die zentralen Botschaften von ACT verinnerlicht hat und die Augen aufhält, stellt man immer wieder fest, auf wie viele Bereiche des Lebens sie zutreffen. Und dass die Psychologen, die ACT entwickelt haben, natürlich kein Patent auf weise Einsichten haben, sondern dass auch andere Menschen auf ganz anderem Wege zu sehr ähnlichen Erkenntnissen gekommen sind. Zwei kleine Beispiele: Die hervorragende afrospanische Sängerin Concha Buika äußerte sich kürzlich in einem Interview zur Frage, was für ein Mensch sie sei, folgendermaßen: "Ich kann mir nicht die ganze Zeit den Kopf darüber zerbrechen, wer ich bin. Was man ist, steckt sowieso viel mehr unter der Haut als in den Vorstellungen, die man über sich hat. Lasst mich mein Leben leben und wenn ich es gelebt habe, sage ich euch, was für ein Mensch ich gewesen bin." Ein treffendes Beispiel für die Weigerung, sich in eine Schublade zu stecken bzw. stecken zu lassen oder - wie es bei ACT heißt - mit seinem konzeptualisierten Selbst zu fusionieren!
Und die Notwendigkeit, auch Schmerzhaftes im Leben zu akzeptieren, beschrieb der englische Sänger Antony Hegarty vor kurzem in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit folgendermaßen: "Es tut weh, am Leben zu sein. Aber wir denken immer, es sei nicht gut, wenn es weht tut. Dabei ist alles Wachsen schmerzhaft. Und dann tritt man einen Schritt zur Seite und staunt, wie schön das ist, was da gewachsen ist."
Beim Huber-Verlag ist die deutsche Übersetzung eines Buches von Georg Eifert, Mathew McKay und John Forsyth erschienen, in dem die Anwendung der Prinzipien von ACT auf den Umgang mit Aggressionen beschrieben werden. Von ihm können vor allem Menschen profitieren, die dazu neigen, schnell in die Luft zu gehen, oder die von Gefühlen wie Neid, Hass und Groll zerfressen werden. Titel der deutschen Ausgabe: Mit Ärger und Wut umgehen. Der achtsame Weg in ein friedliches Leben.
Auch das Buch von Russ Harris, das auf Englisch den Titel The Happiness Trap trägt, liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Der Titel der deutschen Ausgabe bringt eine der zentralen Aussagen von ACT ein wenig ironisch auf den Punkt: Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei.
Speziell um das Thema Ängste und Sorgen geht es in dem gerade bei Hogrefe erschienen Buch von John P. Forsyth und Georg Eifert: Mit Ängsten und Sorgen erfolgreich umgehen. Dieses Buch kann eine große Hilfe sein für Menschen, die unter einer Angststörung leiden, also zum Beispiel unter Panikattacken, Phobien, Zwängen, traumabedingten Ängsten oder einer sogenannten generalisierten Angststörung.
Ein Buch, das auf der Grundlage von ACT Paaren helfen will, eine erfüllende Liebesbeziehung zu leben und Krisen zu meistern, ist unter dem Titel "Liebe ist Achtsamkeit" im Walter-Verlag erschienen. Geschrieben hat es die wunderbare ACT-Therapeutin Robyn Walser zusammen mit Darrah Westrup.
Bereits im vergangenen Jahr erschien die deutsche Übersetzung eines sehr empfehlenswerten Buches von Chad Lejeune, in dem es darum geht, wie man es schaffen kann, sich nicht durch sinnlose Grübeleien und unnötige Sorgen selbst das Leben schwer zu machen. Der treffende Titel: Gut leben - mit kleinen und großen Sorgen.
Voraussichtlich Anfang 2011 wird dann, wieder bei Huber, meine Übersetzung von The Joy of Parenting erscheinen, ein Buch, welches auf der Grundlage des ACT-Modells Eltern Hilfestellung bietet, schwierige Situationen mit ihren Kindern zu bewältigen. Geschrieben haben es die amerikanischen Psychologinnen Lisa Coyne und Amy Murrell. Die deutsche Ausgabe wird vermutlich den Titel tragen: Freude am Elternsein - Mut zum Erziehen.