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An dieser Stelle finden Sie einige kleine Texte zur Akzeptanz- und Commitmenttherapie sowie eine Audio-Übung.






Eine kleine Lebensphilosphie

Suche keine Glücksgefühle, suche das wertvolle Leben. Dann wirst du dich manchmal glücklich fühlen und manchmal nicht.

Frage dich nicht: „Wie will ich mich fühlen?" Frage dich: „Wie will ich leben?"

Wenn du liebst, wenn du arbeitest, wenn du die Welt kennen lernst, wirst du Schmerz erleben. Und Angst. Und Traurigkeit. Liebst du nicht, arbeitest du nicht und verschließt du dich vor der Welt, weil du den Schmerz und die Angst und die Traurigkeit nicht spüren willst, wirst du leiden. Und dieses Leid wird ein stumpfes, lähmendes, erdrückendes Leid sein. Das Leid, zu leben ohne lebendig zu sein.

Dein Verstand ist wichtig. Du brauchst ihn. Aber er ist nicht immer dein Freund. Und vor allem: Er soll dir dienen, er ist dein Werkzeug – und nicht umgekehrt. Er neigt dazu, das zu vergessen. Vergiss du es nie.

Deine Gefühle sind wichtig. Du brauchst sie. Geh gut mit ihnen um. Aber denk daran: Sie sind Spuren deiner persönlichen Geschichte. Nicht mehr und nicht weniger.

Du bist ein Mensch, keine Maschine. Erwarte niemals, eine Maschine zu sein. Keine Angst zu haben, kein Herzklopfen, keine Zweifel, keinen Schmerz – das können Maschinen. Menschen nicht. Jedenfalls keine lebendigen.

Du musst nicht der Beste sein, nicht der Klügste, nicht der von sich am meisten Überzeugte. Du wirst dich viel kritisieren. Das ist gut so. Du brauchst deine Zweifel, auch die an dir selbst. Aber gehe gut mit dir um. Sei anteilnehmend, offen, tröstend und liebevoll, zu anderen und zu dir selbst. Lerne zu verzeihen. Dir selbst und anderen.

Schöpfe aus deinen Erfahrungen, mache dir das im Leben Gelernte zunutze. Nutze deine Vergangenheit, aber benutze sie nicht als Waffe gegen andere und auch nicht als Entschuldigung dafür, dass du nicht das Leben lebst, das du leben könntest.

Akzeptiere deine Vergangenheit. Sie ist nicht mehr zu ändern.

Akzeptiere, dass das Leben die Karten nicht gerecht verteilt. Du kannst dich über die Karten beklagen, die du bekommen hast. Du kannst sie hinwerfen. Oder du kannst sie annehmen und spielen. Du hast die Wahl.







Damit das Denken dem Leben dient,

müssen wir lernen, mit unseren Gedanken richtig umzugehen,

dürfen wir nicht vergessen, dass die Wirklichkeit und unsere Gedanken über die Wirklichkeit nicht dasselbe sind,

sollten wir unsere Gedanken als das betrachten, was sie sind: Produkte unseres fehlbaren, verführbaren und ausgesprochen eingebildeten Verstandes,

ist es wichtig, den Wert des Denkens nicht über den des Handelns zu stellen,

gilt es zu erkennen, dass die ganze Denkerei für manche Bereiche unseres Lebens gut ist – und für manche überhaupt nicht,

brauchen wir das Bewusstsein, dass wir Gedanken haben, aber nicht unsere Gedanken sind,

ist es manchmal nötig, Dinge zu tun, von denen unser Verstand sagt, dass sie falsch, gefährlich, verwerflich oder unmöglich seien,

bedarf es guter Gedanken – und der Bereitschaft, auch die allerbesten Gedanken links liegen zu lassen, wenn sie uns nicht in die richtige Richtung führen.

Damit das Denken dem Leben dient, kommen wir nicht darum herum, unserem Verstand immer wieder klarzumachen, dass er für uns da ist und nicht wir für ihn.







„Du bist, was du denkst“ - ein klug klingender Satz, der mir schon öfter begegnet ist, zum letzten Mal in Form einer Gravur auf einem Stein in einem dieser Läden für nette Kleinigkeiten, die kein Mensch braucht. Läden, wie sie typisch sind für Orte, an denen viele Menschen Urlaub machen und z. B. nach sportlichen Aktivitäten (bei uns war’s eine große Radtour) noch ein bisschen durch eine malerische Altstadt bummeln.



„Du bist, was du denkst“ ist ein typischer Satz für unsere Kultur, die so stolz ist auf ihre Rationalität und so durchdrungen von der Vorstellung, dass der Glaube Berge versetzen könne, dass man unbedingt von sich überzeugt sein müsse, dass man positiv denken solle – und dass dann alles andere mehr oder weniger von alleine liefe. Ach, wenn es doch so einfach wäre!

Ein Problem dabei ist, dass Gedanken, die sich einmal in unserem Kopf festgesetzt haben, dort für alle Zeiten bleiben. Unser Gedächtnis – sozusagen unser „Gedankenlager“ – vergisst nichts: Alles, was dort gespeichert ist, bleibt für alle Zeit. Es kommt nichts weg, höchstens kommen neue Gedanken hinzu. Und das zweite Problem: Wir suchen uns die Gedanken, die in unser Bewusstsein treten, nicht aus. Kein Mensch tut das, niemand kann bestimmen, was er in einem bestimmen Moment denkt oder was nicht. Im Gegenteil: Versuchen wir uns zu zwingen, einen bestimmten Gedanken nicht zu haben, ist dies die beste Garantie dafür, dass wir gerade von diesem Gedanken umso häufiger und intensiver heimgesucht werden.

Was ist, wenn mir jemand gesagt hat, ich sei ein Spinner, ein Taugenichts, wertlos, Müll? Au, das hat wehgetan. Der Satz, die schlimmen Wörter, sind nun drin in meinem Kopf. Möglicherweise für alle Zeit. Ich denke: „Ich bin ein Spinner.“ Bin ich deshalb ein Spinner? Zum Glück nicht! Auch umgekehrt gilt dies. Oder kennen nicht auch Sie Leute, die niemals auf den Gedanken kämen, Spinner zu sein – und doch die größten Spinner sind, die man sich vorstellen kann?

„Du bist, was du denkst“. Glaubt das wirklich jemand? Natürlich sind meine Gedanken ein Teil von mir, ja. Aber ich bin doch NICHT NUR meine Gedanken. Hallo?! Was ist mit meinen Gefühlen und Stimmungen, meinen körperlichen Empfindungen, meiner Intuition, meinen motorischen Fähigkeiten, meinem ästhetischen Empfinden und und und? Es wäre furchtbar, wenn ich nicht mehr denken könnte. Ich wäre nicht mehr in der Lage, so zu leben, wie ich es heute tu. Könnte mir nicht einmal mehr ein Spiegelei braten. Aber genauso schrecklich wäre es, wenn ich NUR NOCH aus meinen Gedanken bestehen würde. Ich könnte nicht mehr Fahrrad fahren, keinen Sonnenuntergang mehr genießen, nicht mehr mit meinen Neffen und Nichten herumtollen und wäre absolut unfähig, jemanden leidenschaftlich zu küssen. (Wie macht man das alles? Mein "Gedankenmaschine" hat davon KEINE AHNUG!)

Manche Menschen vermitteln den Eindruck, dass der Satz für sie gilt: Sie sind, was sie denken. Mir ist kalt in Gegenwart dieser Menschen. Sie tun mir Leid. Und ich bin froh, dass ich nicht bin, was ich denke. Ich bin es auch, aber nicht nur. Und ich wünsche Ihnen, das Gleiche von sich sagen zu können.





Ein Kapitel meines Buches befasst sich mit der Frage, wie wir lernen können, mit schwierigen Gedanken so umzugehen, dass diese keine zerstörerische Macht über uns und unser Leben haben.

Zusammengefasst könnte man diese Frage folgendermaßen beantworten: Wir können Gedanken nicht so ohne weiteres verändern und wir können auch nicht verhindern, dass wir manchmal bestimmte Dinge denken. Aber wir können ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass das, was uns durch den Kopf geht, Gedanken sind, nicht mehr und nicht weniger. Manche Gedanken sind zutreffend, andere nicht. Manche sind hilfreich, andere nicht. Und grundsätzlich gilt: Gedanken über die Realtiät sind etwas anderes als die Realität selbst. Dieses Bewusstsein, diese Haltung zu unseren eigenen Gedanken, heißt in der ACT-Sprache „Defusion“. In „Das Leben annehmen“ finden Sie eine Reihe von Defusionsübungen: Übungen, die dabei helfen können, einen gesunden Abstand zum eigenen Denken zu gewinnen.

Eine Übung, eine kleine meditative Achtsamkeitsübung, enthält die Audiodatei, die Sie hier herunterladen können. Bereiten Sie sich darauf vor, indem Sie sich zunächst überlegen, mit welchen Gedanken Sie oft kämpfen. Gedanken, die Ihnen das Leben schwer machen, die Sie blockieren oder lähmen, von denen Sie sich davon abhalten lassen, Dinge zu tun, die wichtig und wertvoll wären.

Typische Kandidaten für solche Gedanken sind: 

Ich bin nichts wert.
Mein Leben ist verpfuscht.
Es hat sowieso alles keinen Zweck.
Ich werde mich lächerlich machen.
Ich habe keine Chance.
Ich werde zusammenbrechen.
Keiner mag mich.
Es wird etwas Schreckliches passieren.
Ich halte das nicht mehr aus. 

Suchen Sie nach zwei oder drei Gedanken, die Ihnen in schwierigen Situationen durch den Kopf gehen. Fällt Ihnen keiner ein, denken Sie vielleicht an einen Moment aus der letzten Zeit zurück, an dem Sie besonders verzagt, ängstlich, gestresst oder wütend waren. Oder an dem Sie ganz anders gehandelt haben, als Sie eigentlich wollten. Was haben Sie in dem Moment gedacht?

Dann nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und suchen sich für die kleine Meditation einen stillen Platz, an dem Sie ungestört sind. Lassen Sie die Augen locker zufallen und versuchen Sie, sich das Beschriebene so plastisch wie möglich vorzustellen. 

 Audio: Übung Gedanken zu Federn